Allgemein, Olivenöl

Glückliche Ernte im Hinterland – Olivenölfest am 9. November gesichert!

Wir sind wieder in unserem Zweitdomizil in den Marken zur Olivenernte. Aber, oh Schock: All unsere Oliven sind von der vermaledeiten Olivenfliege dahingerafft! Entweder sind sie schon abgefallen von unseren 35 Bäumen oder hängen verschrumpelt an den Ästen. Also war all unser Bemühen umsonst! Unser Bio-Mittel hat versagt. Hektische Nachfrage bei unserem Bio-Nachbarbauern Tony: Auch er ist betroffen, hat schon sehr früh Anfang Oktober geerntet, um überhaupt noch etwas zu retten, und entsprechend nur 10 Prozent (normal sind 15 Prozent!) erlöst. Oh je. Der feuchte Sommer und unsere Nähe zum Meer sind absolute Nährboden für die Olivenfruchtfliege, deren verpuppte Nachkommen hoffentlich in einem strengen Frost-Winter das Zeitliche segnen werden.

Sie sind schon überreif, weil schwarz, aber leider bei näherem Hinsehen verschrumpelt!
Sie sind schon überreif, weil schwarz, aber leider bei näherem Hinsehen verschrumpelt!

Entwarnung kommt aus dem Hinterland. Zuerst von Bruno Amurri: Er hat keine Einbußen erlitten, hat vielmehr erfolgreich gegen die Olivenfliege gekämpft. Oh, Jubel! Er hat mit seinen Arbeitern schon mit der Ernte begonnen. Wir können also gern kommen, um zu helfen – und natürlich um Olivenöl von ihm zu kaufen. Denn wir haben schon für rund 50 Liter Vorbestellungen, und gerade das Olivenöl von Bruno Amurri kommt sehr gut an. Wir verbrauchen hier in unserer Casa Cedri gerade die allerletzte Flasche vom letztjährigen Olivenöl und es riecht und schmeckt immer noch fruchtig mit leichten Schärfe- und Bitternoten, den absoluten Qualitätskriterien!

Knallblauer Himmel bei rund 20 Grad - ideal zum Ernten.
Knallblauer Himmel bei rund 20 Grad – ideal zum Ernten.

Die zweite Entwarnung kam heute von Tiziano Aleandri: Er beginnt erst jetzt mit seiner Ernte, alle Bäume seien prima in Schuss, wir können gern nächste Woche vorbeikommen zum Helfen. Natürlich bringen wir ihm dann auch unsere 50-Liter-Kanister zum Füllen mit. Tiziano lässt sein Olivenöl nach einer ersten Filterung normalerweise 20 bis 30 Tage stehen, um es danach umzuschütten und den sich bildenden Satz der Schwebstoffe zu entsorgen. Diese würden die Qualität des Olivenöls nämlich in einigen weiteren Wochen mindern, da die Naturstoffe aus dem Fruchtfleisch den Fermentationsprozess in Gang setzen. Damit unserem Olivenöl, das wir am 3. November mit nach Bayern nehmen wollen, dies nicht passiert, wird Tizian kurz vor unserer Abfahrt ein zweites Mal filtern.

Inzwischen kümmern wir uns auf unserem Grundstück um einen überwucherten Olivenbaum. Die oben stehenden Fotos zeigen: Giacomo und sein Vater Pietro ernten 2010 die Oliven von diesem Solitär-Baum, links. 2014 sieht man, was passiert, wenn man einen Olivenbaum an einer nicht gepflegten Stelle der Natur überlässt: Er ist total von Brombeersträuchern und sich an dessen Ästen festkrallenden Schlingpflanzen überwuchert! Mein lieber Mann Michael ist dem zu Leibe gerückt und hat dabei wieder einmal erleben müssen, wie stachlige Brombeeren sich wehren: Mit blutenden Wunden hat er erst einmal kapituliert. Morgen ist auch noch ein Tag…

Riviera delle Palme in Grottammare mit intakten Phönixpalmen
Riviera delle Palme in Grottammare mit intakten Phönixpalmen

Ansonsten gedeiht mein Olivenöl-Buch, das im März 2015 im Münchner Dort-Hagenhausen-Verlag erscheinen soll. Mein Herausgeber ist zufrieden und gibt gute Tipps für die letzten kulturhistorisch-unterhaltsamen Texte, die ich hier in Italien bis Ende Oktober schreiben werde. Arbeitstitel: „Die Liebe zu den Oliven“. Die habe ich tatsächlich. Denn unser eigenes Oliven-Desaster hat mich ganz schön deprimiert. Es zeigt einmal mehr die Auswirkungen des Klimawandels und die Zunahme von Schädlingen. Auch unsere Phönix-Palme wird dieser Tage gegen den gemeinen Roten Palmen-Rüsselkäfer erneut geimpft. Dieser aus Asien eingewanderte „Mistkäfer“ hat ja schon ganze Palmenabschnitte an unserer Riviera delle Palme (s. Foto oben) und in Rom vernichtet. Ein schauerliches Bild bieten die Stümpfe ohne Palmwedel. Und der Mensch ist weitgehend machtlos. Da die Palme ja kein Lebensmittel ist, wäre ich hier ausnahmsweise mal für die Chemiekeule. Aber selbst das verspricht keine 100-prozentige Wirkung.

Wie zeigt doch unser überwucherter Olivenbaum: Die Natur ist stärker als wir! Würden wir Menschlein die Erde verlassen, wären sämtliche Städte in spätestens 100 Jahren von der Natur zurückerobert, so steht es in einem lesenswerten Gedankenexperiment des PM-Magazins.

Fazit: Freuen wir uns, dass uns die Natur weiterhin mit Früchten beschenkt, aus denen wir, wie im Falle der Oliven, ein wundervolles Genussmittel machen können. Wir sind jedenfalls gespannt auf das Olivenöl 2014 und auf viele Gäste bei unserem Olivenöl-Fest am 9. November auf Schloss Aufhausen bei Erding!

Allgemein, Olivenöl

Höllenlärm – und kein Live-Olivenöl. Aber wir haben welches!

Es hörte sich so schön an: Eine mobile Olivenölpresse kann in Deutschland frisches Olivenöl pressen, und das mit eingefrorenen Oliven. Geht das tatsächlich? Nein, wir müssen alle weiterhin nach Italien reisen, um dieses Erlebnis zu genießen! Tatsächlich planen das nun einige der Teilnehmer unseres ersten Olivenöl-Workshops am 15. März im Golfclub München Eichenried. Sie trugen es mit Fassung, dass die einen Höllenlärm machende Presse in kühlen bayerischen Gefilden einfach nicht das machen wollte, was sie sollte: Olivenöl ausspucken. Immerhin sah man den Knetvorgang des Olivenbreis in extenso – und erfuhr von Bio-Olivenbauer Tiziano Aleandri viel Wissenswertes über Olivenöl extra vergine.

Tiziano, links, und Benedetto an der mobilen Olivenpresse
Tiziano, links, und Benedetto an der mobilen Olivenpresse

Völlig neu für die Teilnehmer war die Tatsache, wie viel Pflege so ein Olivenbaum benötigt – und wie die Arbeit eines ganzen Jahres innerhalb einer halben Stunde bei falscher Behandlung in der Olivenmühle zunichte gemacht werden kann. Dies geschieht vor allem bei zu hoher Temperatur, denn Hitze über 27 Grad zerstört die Fruchtnoten, die wichtigen Polyphenole und Antioxidantien. Sorgfältig hergestelltes Olivenöl, das den Zusatz „extra vergine“ oder „nativ extra“ wirklich verdient, wird kalt extrahiert, wobei „kalt“ tatsächlich „unter 27 Grad“ bedeutet. Der Fehler, den geschulte Verkoster gleich riechen und schmecken heißt „riscaldo„, übersetzt Erhitzung.

Auch wir testeten mit unseren Workshop-Teilnehmern in einem Blindtest vier verschiedene Olivenöle. Eines hatte Tiziano ganz normal im Rewe-Supermarkt von Moosinning gekauft, eines hatte er vom Schwiegervater seines ihn begleitenden Freundes Benedetto mitgebracht, zwei waren von ihm selbst – und zwar „monovarietà„, also sortenreine Öle, von den spät, d. h. Mitte bis Ende November geernteten Olivensorten Piantone di Mogliano und Coroncina. Wir hatten vier durchnummerierte, nur zu einem Drittel gefüllte kleine Plastikgläser vor uns und erwärmten sie in unseren Händen, wobei wir mit einer Hand das Probierglas zudeckten. Dann, nur wenige Sekunden, lüfteten wir die Deckel-Hand und schnupperten: Was uns da entgegen schlug, war im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend. Nummer 1: roch fürchterlich, ölig, nichtssagend – durchgefallen (Supermarkt); Nummer 2: roch streng, fast muffig, irgendwie stichig – durchgefallen (der Schwiegervater geht noch in die alte Steinmühle, bei der das Olivenöl viel zu viel Kontakt mit seinem Feind, der Luft, hat); Nummer 3: wow, was für fruchtige Noten, endlich, Oliven-Geruch!; Nummer 4: ebenso. Klar: 3 und 4 waren Tizianos Bio-Olivenöle.

Nummer 1 und 2 ließen wir gar nicht in unsere Gaumen – ungenießbar, sie dürften eigentlich auf keinen Fall als extra vergine verkauft werden. Leider ist die gängige Praxis eine andere. Sie erfüllen von den chemischen Analysen her meist sogar alle vom International Olive Council in Madrid festgelegten Kriterien. Aber sie fallen durch alle sensorischen Prüfungen – wie unsere eigentlich ungeschulten Riechorgane zweifelsfrei herausgerochen haben. Nummer 3 und 4 ließen wir in unsere Münder und Kehlen: Erst wurde zwischen den Zähnen geschlürft („strippaggio“ nennt man das), um die weiteren Fruchtnoten wie Mandeln oder Artischocke herauszuschmecken, erst danach wurde geschluckt – und da merkt man dann das Bittere und Scharfe, die untrüglichen Qualitätszeichen für hochwertiges Olivenöl.

Wie gut so ein Olivenöl über Pasta schmeckt, erfuhren die Teilnehmer beim anschließenden Essen mit Linguine aus dem Urweizen Khorosan von unserem Bio-Bauern Bruno Amurri und „Rosso Bello„-Rotwein vom Weingut Le Caniette in Ripatransone, dem Ort, auf den wir von unserem Haus aus schauen. Zuvor gab es Olive Ascolane von Tizianos Cousin, der bei Offida eine Metzgerei hat. Diese dicken, großen, grünen Oliven aus der Region Ascoli Piceno werden entkernt und gefüllt mit einer Farce aus gemischtem Hackfleisch (Rind, Kalb und Huhn), gewürzt mit Parmesan, Ei, Muskatnuss, Pfeffer und Salz. Anschließend paniert man sie in einer Mehl-Ei-Mischung und frittiert sie in Olivenöl. Die Ascolane werden kurz in Olivenöl erhitzt und als (sehr sättigende) Vorspeise gegessen, gern auch auf Märkten wie Maroni in der Tüte.

Übrigens räumten Tiziano und wir gleich mit dem Vorurteil auf, dass Olivenöl nicht so hoch erhitzt werden darf. In Wahrheit ist es das hitzebeständigste Öl und ist ideal zum Braten bis 180 Grad! Die Mähr, dass man nur so genanntes neutrales Öl zum Braten nehmen darf, weil sonst das gebratene Steak nach Olivenöl schmeckt, sollte endgültig aus den Köpfen verbannt werden. Sie ist ebenso falsch wie die ewig perpetuierte Falschaussage, dass Spinat einen besonders hohen Eisengehalt hat. Humbug.

Diese und weitere wichtige Erkenntnisse werden Michael und ich übrigens noch einmal öffentlich verkünden: Am Samstag, 26. April, beim Gartenfest auf Schloss Amerang. Auch da werden wir verschiedene Olivenöle gemeinsam degustieren.

Eine mobile Olivenölpresse werden wir da aber nicht dabei haben! Trotzdem: Wir sind um einige Erfahrungen reicher – und Tiziano und Benedetto haben wir ihren ersten Besuch in Deutschland ermöglicht! Sie genossen Erdinger Weißbier, Schweinsbraten mit Knödeln und Blaukraut und in München Augustiner Bier, mit dem die Enttäuschung über die nicht-funktionierende Olivenpresse heruntergespült wurde. Woran es letztendlich lag? Keine Ahnung. Oliven sind eben ein eigenwilliges Naturprodukt der Mittelmeerländer. Und wir reisen ja auch gern dorthin, um vor Ort weiterhin von so gewissenhaften Bio-Olivenbauern wie Tiziano oder Bruno zu lernen und sie zu unterstützen. Von beiden haben wir übrigens gerade Olivenöl im Verkauf: Tizianos mildes, sortenreines der Sorte Piantone di Mogliano und Brunos etwas schärferes Blend aus Sargano und Carboncella. Wer vergleichen mag: Wir verschicken gern ein Doppelpack!

Olivenöl

Die Ernte verspricht gut zu werden – und Olivenöl-Skandale

Wir sind wieder in den Marken und bringen von Bruno Amurri noch einmal zwei dickbauchige Inox-Behälter voller Olivenöl mit. Unser Kofferraum wird auch wieder gut gefüllt sein mit leeren, fabrikneuen 3/4-Liter-Flaschen, denn die sind uns zuletzt ausgegangen. Am 17. September wird in Erding abgefüllt, und ab 18. September können wir unsere Bestell-Liste abarbeiten. Viele Olio Piceno-Fans warten schon sehnsüchtig auf Nachschub….

Kleiner Italienisch-Kurs zwischendurch: „Se  le premesse verranno mantenute la prossima produzione sarà ottima, io ci conto.“ Bruno ist also zuversichtlich, was die neue Ernte angeht. Sie werde voraussichtlich sehr gut! Das Ergebnis werden wir Anfang November schmecken. Momentan sehen unsere Oliven gut aus – „Beweisfoto“ hier:

Unsere Oliven Anfang September
Unsere Oliven Anfang September

Am 17. Juli gab es eine offizielle Warnung für unsere Region vor der „Mosca delle olive„, der Olivenfliege. Und eine Empfehlung, das biologische Mittel Spinosad in regelmäßigen Abständen auf die Südseite einiger Bäume zu sprühen. Spinosad besteht aus Aminozucker und neutralem Zucker – die Olivenfliegen fließen also auf Süßes! Möge es ihnen schlecht bekommen… Giacomo hat sein Bestes getan. Danke dafür! Grazie tanto.

Die Empfehlung kam von der ASSAM, der Service-Agentur der Marken für die Lebensmittel erzeugende Landwirtschaft. Die Buchstaben stehen für „Agenzia servizi settore agroalimentare delle Marche„. Regelmäßig verschickt sie an die Bio-Bauern auch meteorologische Hinweise. www.meteo.marche.it und www.assam.marche.it. Und sie verleiht die „Forbici d`oro“, die „Goldene Schere“ für die besten Olivenbaum-Beschneider.

Tiziano Aleandri, unser Mann mit der Goldenen Schere, hat ja im Frühjahr einige unserer Bäume radikal gekappt. Sie sahen so erbärmlich aus. Aber siehe da: Sie tragen üppig. Er hatte Recht behalten, als er rhetorisch fragte, ob wir Holz oder Oliven ernten möchten…

An dieser Stelle noch ein Lektüre-Tipp, für alle, die sich ernsthaft für gutes Olivenöl interessieren: Ich lese gerade wieder einige Kapitel aus dem Buch „Extra Vergine – Die erhabene und skandalöse Welt des Olivenöls“ von Tom Mueller. Es ist wirklich erschreckend, wie sehr die Verbraucher immer noch getäuscht werden, weil die Kontrollen beim Olivenöl, anders als beim Wein nach den vielen Wein-Skandalen, nicht greifen. Glücklicherweise decken immer wieder Zeitschriften wie Öko-Test Etikettenschwindel auf. Im August-Heft etwa wurden 20 Olivenöle unter die Lupe genommen – und ausgerechnet das teure griechische Olivenöl von Alfons Schuhbeck bekam die Note „mangelhaft“, war nicht nativ extra, sondern nur nativ, war ranzig, flach, alt, also fehlerhaft. Und dies bei einem Preis von 16,95 Euro für den halben Liter!

Auf Seite 132 kommt auch unsere Region mal vor: Die Öle aus dem „erstklassigen Produktionsgebiet der Marken“ seien schon in der Renaissance von höchster Qualität gewesen. Ja, sagen wir, und sie sind es bis heute!

Buchcover von Tom Muellers spannenden Geschichte rund um die Olivenöl-Mauscheleien.
Buchcover von Tom Muellers spannenden Geschichten rund um die Olivenöl-Mauscheleien.