Allgemein, Olivenöl

Olivenöl-Buch, Olivenfliegen-Attacke abgewehrt und Stern-Titelstory

Elf Stunden Zugfahrt von Erding bzw. München über Bologna nach San Benedetto del Tronto liegen hinter mir. Mit dabei hatte ich nur meinen Laptop und eine Tasche mit Büchern über Olivenöl. Das war meine Zug-Lektüre – zur Einstimmung auf das, was ich selber in Buchform veröffentlichen werde. Im März 2015 soll nämlich in der neuen Geschenkbuch-Reihe „Die guten Seiten des Landlebens“ im Münchner Dort-Hagenhausen-Verlag ein Oliven-Buch von mir erscheinen. Unterhaltsam-informative Geschichten rund um den Olivenbaum, die Olive und das Olivenöl. Verleger Martin Dort kenne ich von einer gemeinsamen Golfrunde in unserem Golfclub München Eichenried, an deren Ende er Olivenöl-Kunde von uns geworden ist – und das mit wachsender Begeisterung über Olio Piceno.

Nun bin ich also in Schreib-Klausur für die ersten Kapitel, wobei ich netterweise im Schatten an unserem Pool oder auf der Terrasse umgeben von Grillen-Gezirpe schreiben kann. Gestern hatte ich allerdings gleich Besuch von unserem Nachbarn Tony Germani, von dem wir Anfang des Jahres auch 50 Liter besten Olivenöls verkaufte haben. Netterweise zeigte er mir die richtige Bekämpfung der Olivenfliege – und gab mir gleich ein Interview für das Buch. Assam, die Service-Agentur für alle landwirtschaftlichen Produzenten in den Marken, hatte nämlich Freitag, 18. Juli, wieder vor den ersten Angriffen dieses Schädlings gewarnt. Auch unser Bio-Olivenbauer Tiziano hatte mir eine e-mail geschrieben, dass wir dringend mit dem biologischen Mittel Spintor Fly aktiv werden müssten.

Unser Nachbar Tony verteilt das biologische Mittel gegen die Olivenfliege auf jedem unserer Bäume.
Unser Nachbar Tony verteilt das biologische Mittel gegen die Olivenfliege auf jedem unserer Bäume.

Also mischten wir 1 : 4 – ein Teil dieser dunkelbraunen, sirupartigen Glucose-Flüssigkeit und vier Teile Wasser – in einer Pumpe und gaben jedem unserer 35 Bäume einen kräftigen Spritzer auf einige Blätter. Immer auf der Südseite. Ziel ist, dass die Fliege davon angezogen wird, die süße Flüssigkeit isst, sofort keine Eier mehr deponiert – und dann stirbt. Tony hat die ersten Einstechversuche sofort an den noch harten Oliven sorgfältig untersucht und glücklicherweise festgestellt: Die blöde Oliven-Späher-Fliege hat ihre Testversuche unverrichteter Dinge abgebrochen. Wäre es gestern, 20. Juli, sehr sehr heiß geworden, also über 35 Grad, wären sowieso bislang aktiven Fliegen gestorben. Aber wir hatten „nur“ 32 Grad und heute früh hat es sogar geregnet. Das bedeutet: Spintor Fly ist abgewaschen statt gegessen worden! Vor unserer Abfahrt müssen wir also noch einmal mit der Handpumpe zu unseren Bäumen.

Tony prüft genau, ob die Olivenfliege bei ihrem Einstechversuch schon Eier gelegt hat.
Tony prüft genau, ob die Olivenfliege bei ihrem Einstechversuch schon Eier gelegt hat.

Unser Rundgang hat das erfreuliche Ergebnis erbracht, dass Tizianos Olivenbaumschnitt buchstäblich Früchte getragen hat. Das heißt, es haben sich an den Trieben des Vorjahres – ja, immer nur an diesen! – sehr viele Oliven gebildet, so dass die Ernte gut zu werden verspricht. Auch unsere neuen Bäumchen haben sich prächtig entwickelt – und setzen sich zunehmend in Größe und Stärke gegen das wuchernde Unkraut durch, das unser Nachbar Giacomo netterweise ab und an unterpflügt.

Viele unserer Olio Piceno-Kunden haben uns auf die Stern-Titelgeschichte vom 18. Juni 2014 aufmerksam gemacht: „Der Olivenöl-Betrug. Extra ranzig statt extra vergine. Der stern enthüllt die schmierigen Geschäfte mit gepanschtem Öl. Plus: Woran Sie Qualität erkennen.“ Wie schrieb uns daraufhin eine Freundin-Kundin gleich: „Ich bin soooo froooooooh, dass wir wissen, wo euer Öl herkommt und dass wir das mit gutem Gewissen verwenden können!!!!!!!!“ Ja, wir sind auch froh, dass wir das wissen.

Zutage gefördert haben diese Panschereien in Italien Steuerpolizisten, die Telefon-Abhörprotokolle auswerteten. Da sind dann Sätze zu hören bzw. zu lesen wie: „Das geht nicht, dass Du sagst: Für diesen Preis schicke ich Dir Scheiße.“ Woraufhin der Firmenchef unbeeindruckt erwidert: „Du weißt genau, was Du für 1,88 kaufst.“ Das kommentiert der Autor des Artikels ganz treffend: „1,88 Euro! Das ist der Literpreis, den der Abfüller dem Lieferanten für ein Olivenöl der Qualität `extra vergine` bzw. `nativ extra` zahlt. Dass es für einen solchen Preis kein echtes `extra vergine` geben kann, weiß der Deutschland-Lieferant offensichtlich genau. Es stört ihn aber vor allem, dass das Öl nicht mal `den Anschein` von Qualität wahrt. Seine Kundschaft mag ja gern Mist kaufen, sie soll aber nicht gleich merken, dass es sich um Mist handelt.“ 

Es ist wirklich jammerschade, wie aus einem 6.000 Jahre alten Kulturgut so eine Massenindustrie werden konnte, die vor Betrügereien nicht zurückscheut. Das Einzige was dagegen helfen kann, ist die Aufklärung des Verbrauchers: Seid wachsam, kauft bei kleinen, vertrauenswürdigen Produzenten bzw. Fachhändlern! Wie schreibt der stern so richtig: „Olivenöl guter Qualität gibt`s nicht umsonst. Es kann leicht 20 bis 30 Euro pro Liter kosten. Einen Porsche gibt es eben nicht zum Preis eines Dacia.“ Da liegen wir mit unseren 20 Euro für einen Liter Olio Piceno also ganz richtig. Und vor allem: Das fruchtige, aromatische Olivenöl aus den Marken gibt es in keinem einzigen deutschen Supermarkt und in keinem Fachgeschäft! Aber Sie wissen ja, woher Sie es beziehen können. Jetzt im Sommer übrigens gern im Doppelpack mit unserem neuen Aceto Balsamico Tradizionale della famiglia Pagani.

Lauro Pagani inmitten seiner jahrealten Aceto-Fässer, die fachgerecht unter dem Dach lagern.
Lauro Pagani inmitten seiner jahrealten Aceto-Fässer, die fachgerecht unter dem Dach lagern.
Allgemein, Olivenöl

Ein Lob der OIiven-Handernte oder „Fuck the Backmischung“

Gerade kam die Juni-Ausgabe des Gourmet-Journals „Der Feinschmecker“ heraus. Titelthema: Die 50 besten Olivenöle. Natürlich kommt da nicht ein einziges Olivenöl aus den Marken vor. Kein Wunder, die erzeugten Mengen sind viel zu klein. Denn in dem hügeligen Gelände rund um Ascoli Piceno müssen die Oliven mühsam per Hand geerntet werden. Echte Hand-Arbeit also! Die Sieger in diesem Test kommen fast ausnahmslos aus Andalusien, seltener aus der Toskana, und das liest sich dann folgendermaßen: 14.500 Olivenbäume oder ein Zusammenschluss von 32 Herstellern mit 1.265 Hektar Olivenhainen oder gar 33.000 Olivenbäume! Klar, dass die mechanisch geerntet werden, mit riesigen Maschinen, die durch die Haine pflügen.

Olivenhaine rund um unsere Casa in den südlichen Marken
Olivenhaine rund um unsere Casa in den südlichen Marken

Zum Vergleich: In den Marken hat ein Olivenbauer durchschnittlich 4 Hektar Grund, unser größter Olivenbauer hat 1.000 Bäume, weil er Land dazu gepachtet hat, die meisten wesentlich weniger. Und alle ernten mit Hand-Kämmen. Bei den Preisen dieser „weltbesten Olivenbäume“ wird mir ganz anders: Da kostet eine 0,25 Liter-Flasche „Grand Cru“ aus der Toskana sagenhafte 17 Euro! Das sind 68 Euro für einen Liter!!! Oder einer aus der Lombardei 30 Euro für die 0,5 Liter-Flasche! Das sind auch 60 Euro für den Liter! Zum Vergleich: Bei uns kostet die Liter-Flasche 20 Euro. Ein fairer Preis, wie wir finden. Denn wir wissen, wie viel Arbeit über das ganze Jahr in der Pflege eine Olivenhains steckt, wie mühsam die Ernte ist – aber auch wie befriedigend das ist, wenn man das Produkt seiner Hände Arbeit sieht und die einzigartige frische Qualität schmeckt.

Vor kurzem fuhren wir in der Münchner Gollierstraße am neuen Café Kubitschek vorbei. Und was steht da in dicken Lettern auf dem Schaufenster: „Fuck the Backmischung!“ Ich hätte mich ausschütten können vor Lachen. Recht so! Denn was wird uns da nicht alles untergejubelt. So schreibt Ökotrophologin Barbara Konitzer in meinem Buch „Mut zum neuen Knie!“ ganz richtig: „Im industriellen Backgewerbe dienen die Enzyme als so genannte Hilfsstoffe. Diese müssen nicht deklariert werden, und niemand weiß eigentlich so genau, was wir an `Hilfsstoffen` essen. Sie fallen unter das Betriebsgeheimnis.“

Kein Geheimnis ist der Inhalt unseres handgeernteten Olivenöls: Es besteht zu 100 Prozent aus dem Öl der ganzen Olive, ja, aus der gesamten, gesunden Frucht, inkl. Kern. Es gibt 0,0 Zusatzstoffe! Ganz anders die anderen Öle. So testete das Öko-Test-Magazin in seiner Mai-Ausgabe „Hochwertige Speiseöle“ und kam zu dem Schluss: „Viel Geld für richtig schlechte Qualität“. Was findet sich da nicht alles in Arganöl, Leinöl, Kürbiskernöl oder Walnussöl: Weichmacher, PAK (= polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) und Mineralöl!!!! Auch Rückstände von Altlasten-Pestiziden stellten die Tester fest. Insgesamt fällt knapp die Hälfe aller Öle mit einem „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch.

Noch einmal zurück zum „Feinschmecker“: „Transparenz bei der Herkunft der Oliven ist ein Zeichen von Qualität. Für ein gutes Öl steht der wirkliche Produzent mit seinem Namen ein! (…)“ Weiter meinen die Autoren richtig, dass die Nennung der einzelnen Olivensorten der Glaubwürdigkeit des Herstellers dient, und sie schreiben, dass nur wenige Produzenten den Erntejahrgang der Oliven angeben. Wir haben das mit unserem Olio Piceno von Anfang an also richtig gemacht: Auf der Frische-Banderole steht immer der Olivenbauer, immer der Name der Ölmühle und immer das Erntedatum. Wir schreiben immer, welche Sorten wir gerade im Angebot haben. Also aktuell zwei Olivenöle von unseren beiden Brunos: das eine im Oktober, also früh geerntet, daher grüner ein Blend aus den Sorten Frantoio und Leccino, das andere spät im November geerntet, ein Blend aus Sargano und Carboncella.

Mozzarella mit Tomaten, Basilikum, Olio Piceno und Aceto Balsamico Pagani
Mozzarella mit Tomaten, Basilikum, Olio Piceno und Aceto Balsamico Pagani

Glücklicherweise finden sich immer mehr Gleichgesinnte, die selbstverständlich nur Natursauerteigbrot kaufen (etwa von der Münchner Hofpfisterei), die ihr Gemüse beim Bauern nebenan bzw. auf dem Markt kaufen, ihr Fleisch (höchstens einmal die Woche!) beim Bio-Metzger ihres Vertrauens etc. Wir freuen uns sehr, dass wir über diesen Blog nun auch einen Aceto Balsamico-Hersteller unseres Vertrauens gefunden haben: Bianca aus Pullach bei München hat einen netten Kommentar auf dieser Seite hinterlassen und erzählt, dass sie das Gleiche, das wir mit unserem Olivenöl machen, nämlich kleine Hersteller unterstützen, mit Aceto Balsamico tut. Es war Sonntag und wir fuhren zufällig zu Freunden ganz in ihrer Nähe. Also machten wir kurzerhand einen Abstecher und probierten drei Altersstufen ihres Acetos von der „Acetaia Pagani“, die seit 1974 bei Modena Balsamessig produziert: 7 Jahre alt – wow, wunderbar; 10 Jahre alt, deutlich süßer; 15 Jahre alt, dickflüssig und ideal für Süßspeisen. Eine wahre Geschmacksexplosion im Gaumen!

Inzwischen habe ich schon zwei Mal mein absolutes Sommer-Lieblingsgericht gegessen: Mozzarella mit Tomaten und Basilikum – mit Olio Piceno und Aceto von der Familie Pagani, einmal den 7-Jährigen, einmal den 10-Jährigen. Was soll ich sagen: Nie mehr kommt mir etwas anderes auf den Tisch! Damit auch Sie den richtigen Aceto Balsamico zu unserem Olio Piceno nehmen, hier der Link zu Biancas Schneider-Atelier in Grünwald, wo immer ein paar Flaschen für ihre Kunden bereitstehen.

Und zum Schluss noch ein Lese-Tipp: Wenn Sie mehr über die Marken von mir lesen wollen, schauen Sie sich www.reise-stories.de an. Auf diesem Portal bin ich neue Autorin und habe als ersten Text etwas über die südlichen Marken, die „Toskana für Arme“ geschrieben. Viel Spaß beim Lesen – und beim guten Essensgenuss!

Allgemein, Olivenöl

Supermarkt-Öl, Spargel mit Olivenöl, Peperoncino-Öl – und individuelles Etikett

Haben Sie schon einmal Ihre Küche nach Olivenöl-Beständen durchforstet, an der Flasche gerochen und anschließend voller Überzeugung ein Supermarkt-Olivenöl weggeworfen? Angelika, eine Zuhörerin unseres Olivenöl-Vortrags beim Gartenfest auf Schloss Amerang, hat das getan. Grund war unsere Blindverkostung mit zunächst einem Supermarkt-Olivenöl und anschließend zwei verschiedenen Olio Piceno-Varianten. Alle 25 Zuhörer waren sich einig: null Geruchssensation bei der später als Olivenöl von Bertolli enthüllten Blindprobe. Bertolli klingt im Übrigen nur italienisch, dahinter verbirgt sich längst ein spanischer Konzern, der auch spanisches Massenöl abfüllt, nämlich der weltgrößte Olivenöl-Multi Deoleo. Zu ihm gehören auch die Marken Carbonell, Sasso und Carapelli. RTL hat erst am 22. 2. 2014 über den jüngsten Olivenöl-Skandal berichtet: Firmen wie Bertolli und Monini haben Millionen Liter Öl verschmutzt, das teilweise gar nicht für den Verzehr geeignet ist. „Flüssiges, farbiges Fett“ nennen das ehrliche Olivenbauern.

Heidi und Michael im Rittersaal von Schloss Amerang beim Olivenöl-Vortrag mit Blindverkostung
Heidi und Michael im Rittersaal von Schloss Amerang beim Olivenöl-Vortrag mit Blindverkostung

Wir als Verbraucher können uns ganz einfach wehren, indem wir so ein Olivenöl nicht kaufen! Wie mailte die Besucherin unseres Vortrags zu unserer Freude: „Euer Vortrag war spannend und wir haben schon nach Schnuppertest und Nasenrümpfen ein Olivenöl im Schrank entsorgt!“ Welches aber kann man mit gutem Gewissen kaufen? Unsere Antwort: Ein Olivenöl, von dem Sie wissen, woher es kommt, wer es wie produziert. Denn Olivenölkauf ist Vertrauenssache – und Geschmackssache natürlich. Ganz klar, „ehrliches“ Olivenöl wie unser Olio Piceno riecht schon fruchtig nach Olive – und es schmeckt herrlich aromatisch, mit den typischen bitteren Anklängen und der Schärfe im Hals, die bei ganz jungem Olivenöl bis zum Husten führen kann. Aber keine Angst: Olivenöl ist wie ein pflanzlicher Schwamm, d. h. es passt sich seiner kulinarischen Umgebung wunderbar an. So habe ich gerade Spargel mit Olivenöl gegessen. Ja, nicht mit Bozner Sauce, die wir ja auch mit Olivenöl machen, nicht mit Sauce Hollandaise oder geschmolzener Butter. Und siehe da: Das herrliche Spargel-Aroma wurde wunderbar verstärkt. Dazu Kartoffeln vom Erdinger Bauern um die Ecke und ein Pecorino-Weißwein aus unserer mittelitalienischen Zweitheimat-Region, den südlichen Marken. Köstlich!

Spargel mit Olio Piceno, Peroncino-Öl und Schnittlauch
Spargel mit Olio Piceno, Peroncino-Öl und Schnittlauch

Pecorino ist doch ein Käse, meinen Sie. Ja, stimmt. Aber es gibt in den Marken auch eine autochthone Traube namens Pecorino, ebenso wie den Weißwein Passerina und den Falerio aus den Colli Ascolani, der aus den Rebsorten Trebbiano, Passerina und Pecorino besteht. Inzwischen lassen sich viele Freunde von uns diesen herrlich frischen Weißwein kistenweise von uns mitbringen. Bei unserer letzten Fahrt über den Brenner hatten wir fast mehr Weinkisten als Olivenöl im Kofferraum! Dazu auch den süffigen Roten, Rosso Piceno, der aus 60 Prozent Sangiovese und 40 Prozent Montepulciano besteht.

Nach diesem kleinen Wein-Exkurs noch ein Hinweis auf unser neues Angebot an Peperoncino-Olivenöl. Unser Olivenbauer Bruno Acciarri hat den letzten „quintale“, das sind 100 Kilogramm, seiner Oliven zusammen mit den kleinen roten Peperoncini, scharfe Gewürzpaprika, verarbeiten lassen. Das heißt, dass in dem Olivenbrei gleich die Peperoncini mit zermahlen wurden. Das Ergebnis: scharf, leuchtend rot-orange und fruchtig „paprikanisch“ im Geschmack! Mein Mann Michael hatte zuvor die homemade-Variante probiert: In eine Flasche Olivenöl einfach ein paar getrocknete Peperoncini hineingeben und abwarten, bis diese ihre Schärfe an das Olivenöl, das ja wie ein pflanzlicher Schwamm ist (s. oben), abgibt. Das Ergebnis: scharf, aber ohne Fruchtigkeit! Wir haben es, wie Angelika es mit ihrem Olivenöl getan hat, einfach entsorgt. Nach dem Motto „Das Leben ist zu kurz, um schlecht zu essen“ („La vita è troppo breve per mangiare male“) nehmen wir doch lieber das „richtig“ hergestellte Würzöl – und verkaufen es auch. Eine e-mail an info@oliopiceno.de genügt.

Übrigens eignen sich unsere Halbliter-Flaschen, die wir nicht über den Online-Shop, sondern nur direkt anbieten, auch sehr gut als Geschenk, und zwar gern mit einem individuellen Etikett. Erstmals ausprobiert haben wir das anlässlich des Medienpreises, den ich als Jury-Vorsitzende an Deutschlands beste Golfclub-Zeitschriften am 30. April 2014 im Golfclub München Eichenried vergeben habe: Mit dem Spruch „Ein guter Tropfen von den Bayerischen Medien-Golfern auf dem hellblauen Etikett mit Golfball machte sich die Flasche Olio Piceno auch optisch sehr gut:

Olio Piceno als Preis der Bayerischen Mediengolfer mit eigenem Etikett
Olio Piceno als Preis der Bayerischen Mediengolfer mit eigenem Etikett
Ein schönes Geschenk mit individuellem Etikett
Ein schönes Geschenk mit individuellem Etikett
Allgemein, Olivenöl

Olivenöl-Nachschub und Degustationsvortrag beim Gartenfest Schloss Amerang

Wir sind über Ostern in den Marken und haben bereits unseren Nachbar-Bauern Bruno Acciarri besucht, um sein grasgrünes Olivenöl zu probieren, das allen bei unseren beiden Olivenöl-Präsentationen im November und Dezember so gut geschmeckt hat. Und siehe da: Es hat seine tiefgrüne Farbe (fast) behalten und auch den Geschmack – und das ein halbes Jahr nach der Ernte! Ein untrügliches Qualitätszeichen für Olivenöl extra vergine. Gerade noch 50 Liter sind übrig – und die bringen wir mit!

Tiziano hat unsere Olivenbäume Anfang April beschnitten. Höchste Zeit, denn sie treiben schon aus! Auch unsere Mini-Bäumchen hat er gestutzt. Inzwischen habe ich den Olivenfilm von Andreas März gesehen: „Olio ti voglio“. Darin wird die Meinung vertreten, dass die Bäume nur alle drei Jahre beschnitten werden sollen. Tiziano ist da anderer Meinung und plädiert für jährlichen Schnitt: „Wir müssen ihre Freiheit beschneiden, damit wir es leichter haben. Gerade alte Bauern kämpfen unnötig mit wild sprießenden Bäumen, weil sie immer noch ihren veralteten Schnitt anwenden.“ Seine Schnitt-Technik, der „vaso policonico“, gibt den Bäumen viel Licht und lässt nur „Antennen“ nach oben stehen. Damit schafft man es langfristig auch, dass die Erntemenge stabil bleibt – und dass man so viel beim Ernten schafft, um mit einer Grundmenge täglich zur Ölmühle fahren zu können. Das ist wichtig für die Qualität.

Hier sieht man, wie unsere frisch geschnittenen Bäume gerade ausschauen:

OlivenhangGeschnitten

Wer mehr über wirklich gutes, handgeerntetes Olivenöl erfahren will, den laden wir hiermit herzlich ein zu unserem Olivenöl-Vortrag mitsamt Blindverkostung beim Gartenfest auf Schloss Amerang bei Wasserburg am Samstag, 26. April, um 16 Uhr im Rittersaal des Schlosses.

Übrigens pflanzen wir gerade wieder 15 Olivenbäumchen, so dass wir zu unseren 35 alten Bäumen nun insgesamt 46 Jungbäumchen haben, die in vier bis sechs Jahren hoffentlich tragen werden.

Heidi trägt zwei 2- bis 3 Jahre junge Olivenbäumchen zum Einpflanzen.

 

Allgemein, Olivenöl

Höllenlärm – und kein Live-Olivenöl. Aber wir haben welches!

Es hörte sich so schön an: Eine mobile Olivenölpresse kann in Deutschland frisches Olivenöl pressen, und das mit eingefrorenen Oliven. Geht das tatsächlich? Nein, wir müssen alle weiterhin nach Italien reisen, um dieses Erlebnis zu genießen! Tatsächlich planen das nun einige der Teilnehmer unseres ersten Olivenöl-Workshops am 15. März im Golfclub München Eichenried. Sie trugen es mit Fassung, dass die einen Höllenlärm machende Presse in kühlen bayerischen Gefilden einfach nicht das machen wollte, was sie sollte: Olivenöl ausspucken. Immerhin sah man den Knetvorgang des Olivenbreis in extenso – und erfuhr von Bio-Olivenbauer Tiziano Aleandri viel Wissenswertes über Olivenöl extra vergine.

Tiziano, links, und Benedetto an der mobilen Olivenpresse
Tiziano, links, und Benedetto an der mobilen Olivenpresse

Völlig neu für die Teilnehmer war die Tatsache, wie viel Pflege so ein Olivenbaum benötigt – und wie die Arbeit eines ganzen Jahres innerhalb einer halben Stunde bei falscher Behandlung in der Olivenmühle zunichte gemacht werden kann. Dies geschieht vor allem bei zu hoher Temperatur, denn Hitze über 27 Grad zerstört die Fruchtnoten, die wichtigen Polyphenole und Antioxidantien. Sorgfältig hergestelltes Olivenöl, das den Zusatz „extra vergine“ oder „nativ extra“ wirklich verdient, wird kalt extrahiert, wobei „kalt“ tatsächlich „unter 27 Grad“ bedeutet. Der Fehler, den geschulte Verkoster gleich riechen und schmecken heißt „riscaldo„, übersetzt Erhitzung.

Auch wir testeten mit unseren Workshop-Teilnehmern in einem Blindtest vier verschiedene Olivenöle. Eines hatte Tiziano ganz normal im Rewe-Supermarkt von Moosinning gekauft, eines hatte er vom Schwiegervater seines ihn begleitenden Freundes Benedetto mitgebracht, zwei waren von ihm selbst – und zwar „monovarietà„, also sortenreine Öle, von den spät, d. h. Mitte bis Ende November geernteten Olivensorten Piantone di Mogliano und Coroncina. Wir hatten vier durchnummerierte, nur zu einem Drittel gefüllte kleine Plastikgläser vor uns und erwärmten sie in unseren Händen, wobei wir mit einer Hand das Probierglas zudeckten. Dann, nur wenige Sekunden, lüfteten wir die Deckel-Hand und schnupperten: Was uns da entgegen schlug, war im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend. Nummer 1: roch fürchterlich, ölig, nichtssagend – durchgefallen (Supermarkt); Nummer 2: roch streng, fast muffig, irgendwie stichig – durchgefallen (der Schwiegervater geht noch in die alte Steinmühle, bei der das Olivenöl viel zu viel Kontakt mit seinem Feind, der Luft, hat); Nummer 3: wow, was für fruchtige Noten, endlich, Oliven-Geruch!; Nummer 4: ebenso. Klar: 3 und 4 waren Tizianos Bio-Olivenöle.

Nummer 1 und 2 ließen wir gar nicht in unsere Gaumen – ungenießbar, sie dürften eigentlich auf keinen Fall als extra vergine verkauft werden. Leider ist die gängige Praxis eine andere. Sie erfüllen von den chemischen Analysen her meist sogar alle vom International Olive Council in Madrid festgelegten Kriterien. Aber sie fallen durch alle sensorischen Prüfungen – wie unsere eigentlich ungeschulten Riechorgane zweifelsfrei herausgerochen haben. Nummer 3 und 4 ließen wir in unsere Münder und Kehlen: Erst wurde zwischen den Zähnen geschlürft („strippaggio“ nennt man das), um die weiteren Fruchtnoten wie Mandeln oder Artischocke herauszuschmecken, erst danach wurde geschluckt – und da merkt man dann das Bittere und Scharfe, die untrüglichen Qualitätszeichen für hochwertiges Olivenöl.

Wie gut so ein Olivenöl über Pasta schmeckt, erfuhren die Teilnehmer beim anschließenden Essen mit Linguine aus dem Urweizen Khorosan von unserem Bio-Bauern Bruno Amurri und „Rosso Bello„-Rotwein vom Weingut Le Caniette in Ripatransone, dem Ort, auf den wir von unserem Haus aus schauen. Zuvor gab es Olive Ascolane von Tizianos Cousin, der bei Offida eine Metzgerei hat. Diese dicken, großen, grünen Oliven aus der Region Ascoli Piceno werden entkernt und gefüllt mit einer Farce aus gemischtem Hackfleisch (Rind, Kalb und Huhn), gewürzt mit Parmesan, Ei, Muskatnuss, Pfeffer und Salz. Anschließend paniert man sie in einer Mehl-Ei-Mischung und frittiert sie in Olivenöl. Die Ascolane werden kurz in Olivenöl erhitzt und als (sehr sättigende) Vorspeise gegessen, gern auch auf Märkten wie Maroni in der Tüte.

Übrigens räumten Tiziano und wir gleich mit dem Vorurteil auf, dass Olivenöl nicht so hoch erhitzt werden darf. In Wahrheit ist es das hitzebeständigste Öl und ist ideal zum Braten bis 180 Grad! Die Mähr, dass man nur so genanntes neutrales Öl zum Braten nehmen darf, weil sonst das gebratene Steak nach Olivenöl schmeckt, sollte endgültig aus den Köpfen verbannt werden. Sie ist ebenso falsch wie die ewig perpetuierte Falschaussage, dass Spinat einen besonders hohen Eisengehalt hat. Humbug.

Diese und weitere wichtige Erkenntnisse werden Michael und ich übrigens noch einmal öffentlich verkünden: Am Samstag, 26. April, beim Gartenfest auf Schloss Amerang. Auch da werden wir verschiedene Olivenöle gemeinsam degustieren.

Eine mobile Olivenölpresse werden wir da aber nicht dabei haben! Trotzdem: Wir sind um einige Erfahrungen reicher – und Tiziano und Benedetto haben wir ihren ersten Besuch in Deutschland ermöglicht! Sie genossen Erdinger Weißbier, Schweinsbraten mit Knödeln und Blaukraut und in München Augustiner Bier, mit dem die Enttäuschung über die nicht-funktionierende Olivenpresse heruntergespült wurde. Woran es letztendlich lag? Keine Ahnung. Oliven sind eben ein eigenwilliges Naturprodukt der Mittelmeerländer. Und wir reisen ja auch gern dorthin, um vor Ort weiterhin von so gewissenhaften Bio-Olivenbauern wie Tiziano oder Bruno zu lernen und sie zu unterstützen. Von beiden haben wir übrigens gerade Olivenöl im Verkauf: Tizianos mildes, sortenreines der Sorte Piantone di Mogliano und Brunos etwas schärferes Blend aus Sargano und Carboncella. Wer vergleichen mag: Wir verschicken gern ein Doppelpack!

Allgemein

1. Olivenöl-Workshop am 15. März 2014 – Oliven live gepresst!

Tiziano Aleandri aus Offida, Marken, kommt mit einer mobilen Olivenpresse nach Bayern!

Unser Wissen über Olivenöl haben wir u. a. von Tiziano Aleandri, dem italienischen Meister im Olivenbaumschnitt. Für einen einmaligen Olivenöl-Workshop kommt Tiziano nun von seiner bio-azienda in Offida, Marken, nach Bayern: Am Samstag, 15. März 2014, baut er eine mobile Olivenölpresse im Clubhaus des Golfclubs München Eichenried auf und wird zwei kleine Gruppen von jeweils höchstens 10 bis 12 Personen in die Geheimnisse qualitätsvoller Olivenöle einweihen. Er presst seine im Herbst eingefrorenen (!) Oliven vor Ort und schult die Teilnehmer in einem Blindtest, gutes von schlechtem Olivenöl zu unterscheiden. Für die Übersetzung aus dem Italienischen ist ebenso gesorgt wie für ein gemeinsames italienisches Essen.

Ablauf: Corso I: 10-12.30 Uhr, anschl. Mittagessen mit Olive Ascolane und Pasta con olio extra vergine / Corso II: 15-17.30 Uhr, anschl. Abendessen mit Olive Ascolane und Pasta con olio extra vergine

Jeder Teilnehmer bekommt eine Kostprobe des frisch gepressten Olivenöls mit nach Hause.

Kosten: Workshop mit Degustation und Essen inkl. Wein und Wasser, kleiner Olivenöl-Flasche pro Kurs & pro Person: 50 Euro. Bitte diesen Betrag nach Bestätigung der Teilnahme vorab auf unser Olio Piceno-Konto überweisen. Bei Nicht-Zustandekommen des Kurses wird das Geld selbstverständlich zurücküberwiesen.

Ort: Clubhaus des Golfclubs München Eichenried, Münchner Straße 57, 85452 Eichenried, www.gc-eichenried.de

Verbindliche schriftliche Anmeldung: Heidi Rauch, pr@heidi-rauch.de

Tiziano und Olivenöl-Autorin Rozsika Farkas, die bei unserem Workshop zusammen mit Heidi die Übersetzung aus dem Italienischen übernehmen wird.
Tiziano und Olivenöl-Autorin Rozsika Farkas, die bei unserem Workshop zusammen mit Heidi die Übersetzung aus dem Italienischen übernehmen wird.

 

Olivenöl

Danke und herzliche Wünsche für ein gesundes Jahr 2014!

Liebe Olio Piceno-Kunden und -Freunde,

gerade kocht mein lieber Mann Michael Konitzer das Weihnachtsessen – natürlich mit Olivenöl von uns. Das Olivenöl, das in unserer für eine Woche gemieteten Wohnung in Berlin steht, lassen wir lieber links liegen. Schließlich wissen wir bei unserem Olio Piceno, wie frisch, sauber und gesund es ist. Denn beim Revue passieren lassen des vergangenen Jahres ist uns aufgefallen: Wir waren beide nie krank! Kein grippaler Infekt, keine Bronchitis, kein Magen-Darm-Virus – nichts!

Vollreife Oliven am Baum
Vollreife Oliven am Baum

Natürlich wäre es zu einfach, dies nur auf unser Olivenöl zurückzuführen. Aber zum Teil tue ich das schon. Als vor vielen Jahren der sehr, sehr hohe Blutdruck von Michael festgestellt wurde, lautete der Rat des Arztes: Leben Sie mediterran. Damit war sowohl die Ernährung als auch das etwas weniger hektische Leben an sich gemeint. Dass wir seit 2010 tatsächlich ein Domizil in mediterranen Gefilden bewohnen, war damals nicht abzusehen. Und dass wir unsere Casa als Freiberufler auch noch insgesamt drei bis vier Monate im Jahr nutzen können, hilft natürlich ungemein. Auch wenn Michael öfter mal von Ancona nach München aus beruflichen Gründen zurückfliegen muss. Danach verwandelt er sich wieder in den einen Gang runterschaltenden (Oliven-)Bauern, der nebenbei Limoncello aus eigenen Zitronen oder Feigen- und Birnenmarmelade aus eigenen Früchten macht.

Vollreife Oliven kurz vor der Pressung
Vollreife Oliven kurz vor der Pressung

Mittlerweile ernähren wir uns noch bewusster. Seit langem sind wir Slow Food-Mitglied und unterstützen die Ziele dieser uritalienischen Bewegung, die längst auch bei uns viele Anhänger gefunden hat. Wo immer es geht, kaufen wir beim regionalen Bauernmarkt. Natürlich hilft hier, dass wir in Erding bei München wohnen, quasi beim Bauern um die Ecke. Aber auch in der Hauptstadt, wo meine Mutter noch mit 85 Jahren topfit lebt, gibt es wunderbare Markthallen, wie etwa die Zunfthalle in der Arminiusstraße in Moabit. Hier haben wir den Neuland-Bio-Kalbsbraten gekauft, den Michael natürlich mit Olio Piceno angebraten hat. Und als Vorspeise gibt es zu einem feinen Riesling-Sekt Baguette mit Olio Piceno. Eine gute Grundlage übrigens für weitere Rotwein-Genüsse, die ja, man will es gern glauben, auch sehr gut fürs Herz sind.

Frisches Olivenöl fließt aus der Presse
Frisches Olivenöl fließt aus der Presse

Damit nun keiner glaube, wir seien Heilige, sei gesagt: Wir sind absolute Süßschnäbel! Nach den ganzen Lebkuchen-Verführungen freuen wir uns aber auch schon auf eher vegetarische Pasta nur mit Olivenöl und unseren traditionellen Neujahrsspaziergang mit Freunden an der Adria. Allerdings nehme ich ein Rezept mit nach Italien: Olivenöl-Plätzchen. Die möchte ich unbedingt ausprobieren, nachdem ich klassische Mürbteigkuchen nur noch mit Olivenöl mache (immer ein Drittel weniger als die angegebene Buttermenge). Das ist viel gesünder und schmeckt völlig unverfälscht lecker.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein wunderbares Jahr 2014 mit tollen Geschmackserlebnissen – gern mit unserem Olio Piceno!

Herzlich grüßen Heidi Rauch & Michael Konitzer

Allgemein, Olivenöl

Genussvolle Olivenernte 2013 – superfrisches Olivenöl zu bestellen!

„Mmh, total lecker, noch nie so frisches Olivenöl gekostet!“ – So und ähnlich hörten sich die begeisterten Ausrufe unserer 95 Gäste an, die am 10. November zum ersten „Olivenöl-Erntedankfest“ nach Schloss Aufhausen bei Erding gekommen sind. „Dank“ des schlechten Wetters kamen auch viele Outdoor-Sportler (Golfer, Wanderer), dazu zahlreiche meiner Indoor-Bridge-Damen, viele Kunden – sogar aus Oberaudorf (!) – und Freunde inklusive Ex-Ehepartner. Mein Ex-Mann hat die Kasse gehütet, Michaels Ex-Frau hat tatkräftig beim Abfüllen des Olivenöls aus den 3 x 50 Liter-Kanistern geholfen. Danke auch allen weiteren Helfern in der Küche, beim Auf- und Abbau etc.

Wer da war, hat unseren Film von der Olivenernte im Oktober 2013 schon gesehen. Hier der Link dazu: Olio Piceno – Olivenernte 2013

Erstmals waren wir vier Wochen, den ganzen Oktober, in unserer Casa und haben wieder viel dazugelernt über richtig gutes Olivenöl.  Unsere eigenen Olivenbäume waren leider von der Olivenfliege befallen. Das Bio-Mittel hat unser Nachbar dummerweise falsch angewendet (er hätte 1 Liter Mittel auf 4 Liter Wasser verdünnen sollen, hat aber das dort übliche Maß von „quintali“, d. h. 100 Liter genommen!). Über das so verdünnte, leckere Zuckerwasser hat sich die Olivenfliege offensichtlich besonders gefreut. Nun ja, Lehrgeld eben. Das wenige Olivenöl, das uns geblieben ist (letztes Jahr 128 Liter, dieses Jahr 28 Liter!) verbrauchen wir lieber selbst, denn durch den Befall ist es auch eher minderwertig. Also mussten wir uns verstärkt nach Alternativen umsehen, um die steigende Nachfrage unserer Olivenöl-Kunden befriedigen zu können.

Hier die Ergebnisse unserer nachbarschaftlichen Ausflüge:

1) 50 Liter-Kanister von Bruno Acciarri, grasgrün, sehr früh geerntet. Sein Olivenöl kam beim Olivenöl-Fest besonders gut an. Klar, das Auge isst mit! Er hat seine Olivenbäume gegenüber von uns, unterhalb von Ripatransone. Von ihm haben wir unsere neu gepflanzten Olivenbäume gekauft, inzwischen 30, u. a. von der sehr schmackhaften und in den Marken eher seltenen Sorte Carboncella. Mit Bruno II (es gibt ja noch Bruno Amurri) haben wir weitere Lieferungen vereinbart.

2) 50 Liter-Kanister von Giacomo Paci, unser Nachbar in Massignano, dessen 70 Olivenbäume am Hang über uns stehen. Hier hat Giacomo nicht gesprüht, so dass die Olivenfliege sich auf unsere „Zucker-Bäume“ konzentriert hat. Seine Bäume stehen in sehr steilem Gelände, so dass Schuhe mit Profilsohlen auf den ohnehin rutschigen Netzen unbedingt nötig sind. Meine 85-jährige Mama, die tatkräftig mitgeholfen hat, musste in ihren Turnschuhen öfter mal einen Ast als „Rettungsanker“ bemühen. Glücklicherweise gibt es immer nach unten hängende Zweige, die für das „Fußvolk“ ideal zum Ernten mit den Handkämmen sind, während die Herren der Schöpfung mit dem elektrischen Flatter-Kamm ihre Muskelkraft beweisen können, wenn sie das zwei Meter hohe Teil nach oben stemmen. Mein lieber Mann Michael war selten so fit und hat die scherzhafte Idee geboren, aus der Olivenernte doch ein Fitness-Franchise-Konzept zu machen….

Noch eine Anmerkung zum Paci-Olivenöl: Wir haben mit der Ernte von dem selben Hang zwei verschiedene Olivenmühlen ausprobiert und werden nun endgültig unserem bisherigen Frantoio Marconi untreu. Unser „Neuer“, Agostini bei Petritoli, hat sämtliche Blindverkostungen, die wir gemacht haben, mit Abstand gewonnen. Danke Tony und danke Tiziano, für Eure geschulten Zungen und Rachen! Der Fehler, der bei Marconi passiert, nennt sich „riscaldo“ = zu hohe Erhitzung des Olivenöls. Dadurch werden die wertvollen Polyphenole und Antioxidantien mehr als nötig zerstört. Ausnahme ist hier Bruno Acciarri, der mit seiner Ernte jeden Tag zu Marconi fährt, und dort offensichtlich gute Ergebnisse erzielt. Denn auch sein Olivenöl ist „extra vergine“.

3) 50 Liter-Kanister von Bruno Amurri, unserem bewährten Bio-Bauern bei Petritoli, der auch herrliche Kamut-Khorasan-Pasta herstellt. Bei ihm habe ich einen Tag bei der Olivenernte geholfen. Er erntet die Oliven von seinen 650 Bäumen einen Monat lang absolut tiefenentspannt zu dritt! Zwei junge Männer, ein rumänischer Bauer und ein kongolesischer Immigrant, helfen ihm mit der schweren Arbeit an zwei elektrischen Ernte-Kämmen und kraxeln damit sogar in die Bäume. Er selbst, ca. 70 Jahre alt, erntet vom Boden alle tiefer hängenden Äste ab und gibt in seiner leisen Art Anweisungen. Ich kann nur sagen: Trotz aller Anstrengungen hat die Olivenernte auch etwas Meditatives! Beim gemeinsamen gesunden Mittagessen mit Hirse (!), Khorosan-Pasta (natürlich nur mit frischem Olivenöl darüber!) und eigenem Lammbraten stärkt man sich dann für den Nachmittag, bevor es allabendlich zur Olivenmühle geht, wo es weniger romantisch als laut ist.

Von diesen 150 Litern sind nach unserem Fest und allen Bestellungen nur noch ca. 30 Liter übrig geblieben (Stand 20. November). Also bitte sputen, wer immer noch vor Weihnachten (Geschenk!) etwas von diesem superfrischen Olivenöl haben möchte. Über Silvester sind wir wieder in den Marken und bringen Mitte Januar 50 Liter von unserem zweiten Nachbarn, Bio-Bauer Tony Germani, mit. Er und Bruno Amurri sind befreundet und konkurrieren immer im besten Sinne um die Auszeichnungen, die ihre Olivenöle alljährlich einheimsen. Davon zu gegebener Zeit mehr.

Noch ein Tipp zum Schluss: Ich habe sehr schöne Geschenke-Körbe mit Produkten aus den Marken gemacht. Darin enthalten: Olivenöl, Rotwein Rosso Piceno, Süßwein Vino Cotto, Pasta aus Campofilone, superscharfe Peperoni-Soße, Berglinsen aus Castelluccio, schwarze Kichererbsen, Feigen-Marmelade, Limoncello und Cantuccini – alles handgefertigt, entweder von uns oder von kleinen Nachbarbetrieben. Der Korb kostet 75 Euro und kann bei uns abgeholt werden. Am besten eine e-mail schreiben an: info@oliopiceno.de. Bei besonders netten e-mails liefern wir auch!

Allgemein, Olivenöl

Olivenöl-Erntedankfest am 10. November auf Schloss Aufhausen

Liebe Besucher dieser Homepage,

dies ist eine öffentliche Einladung zu unserem 1. Olivenöl-Erntedankfest am Sonntag, 10. November, von 12 bis 17 Uhr auf Schloss Aufhausen bei Erding. Im schönen Rittersaal bringen wir allen Freunden des Olio Piceno das ganz frisch geerntete Olivenöl 2013 zum Kosten mit. Denn gerade sind wir in unserem Zweitdomizil in den mittelitalienischen Marken und schauen den Oliven beim Wachsen zu, d. h. wir warten den idealen Zeitpunkt für die Olivenernte ab. Am 4. November sind wir wieder in Bayern, lassen das Öl ein paar Tage in den großen Edelstahlbehältern zur Ruhe kommen und füllen es dann ab – in 1 Liter-Flaschen, 3/4-Liter-Flaschen, 1/2-Liter-Flaschen oder – für die „Heavy User“ in 5 Liter-Kanister. Wir sammeln jetzt schon die Bestellungen an info@oliopiceno.de.

Wir nennen unser Degustationsfest „Olio, tartufo e vino“. Denn für einen Unkostenbeitrag von 5 Euro gibt es die verschiedensten Spezialitäten aus den Marken zum Kosten: Trüffel aus den Monti Sibillini in den Abruzzen auf Maccheroncini di Campofilone, das sind hauchzarte Eiernudeln; den Rotwein mit dem schönen Namen „Rosso Bello“ von unserem Nachbar-Weingut „Le Caniette“; die dicken, mit einer Fleischfarce gefüllten und frittierten Olive Ascolane; allerfeinste Linsen aus dem Ort Castelluccio an der Grenze zu Umbrien, unweit von Norcia; den typischen Mürbteigkuchen Crostata mit Feigenmarmelade (von unserem Feigenbaum, hergestellt von Michael); Vino Cotto („gekochter“ Wein = Weinlikör) etc.

Vieles davon kann man auch kaufen. Allen voran natürlich unser Olio Piceno. Im Hinblick auf Weihnachten werden wir etliche Geschenkkörbe mit den „marchegianischen“ Köstlichkeiten anbieten. Wenn es klappt, kommen noch Cantuccini aus unseren Mandeln hinzu sowie selbstgemachter Limoncello. Außerdem werden wir natürlich brandneue Fotos und evtl. auch einen kleinen Film von der aktuellen Olivenernte zeigen.

Zur Vorfreude hier schon einmal ein Foto, wie unsere Oliven derzeit ausschauen:

Unsere Oliven im Oktober 2013
Unsere Oliven im Oktober 2013
Olivenöl

Die Ernte verspricht gut zu werden – und Olivenöl-Skandale

Wir sind wieder in den Marken und bringen von Bruno Amurri noch einmal zwei dickbauchige Inox-Behälter voller Olivenöl mit. Unser Kofferraum wird auch wieder gut gefüllt sein mit leeren, fabrikneuen 3/4-Liter-Flaschen, denn die sind uns zuletzt ausgegangen. Am 17. September wird in Erding abgefüllt, und ab 18. September können wir unsere Bestell-Liste abarbeiten. Viele Olio Piceno-Fans warten schon sehnsüchtig auf Nachschub….

Kleiner Italienisch-Kurs zwischendurch: „Se  le premesse verranno mantenute la prossima produzione sarà ottima, io ci conto.“ Bruno ist also zuversichtlich, was die neue Ernte angeht. Sie werde voraussichtlich sehr gut! Das Ergebnis werden wir Anfang November schmecken. Momentan sehen unsere Oliven gut aus – „Beweisfoto“ hier:

Unsere Oliven Anfang September
Unsere Oliven Anfang September

Am 17. Juli gab es eine offizielle Warnung für unsere Region vor der „Mosca delle olive„, der Olivenfliege. Und eine Empfehlung, das biologische Mittel Spinosad in regelmäßigen Abständen auf die Südseite einiger Bäume zu sprühen. Spinosad besteht aus Aminozucker und neutralem Zucker – die Olivenfliegen fließen also auf Süßes! Möge es ihnen schlecht bekommen… Giacomo hat sein Bestes getan. Danke dafür! Grazie tanto.

Die Empfehlung kam von der ASSAM, der Service-Agentur der Marken für die Lebensmittel erzeugende Landwirtschaft. Die Buchstaben stehen für „Agenzia servizi settore agroalimentare delle Marche„. Regelmäßig verschickt sie an die Bio-Bauern auch meteorologische Hinweise. www.meteo.marche.it und www.assam.marche.it. Und sie verleiht die „Forbici d`oro“, die „Goldene Schere“ für die besten Olivenbaum-Beschneider.

Tiziano Aleandri, unser Mann mit der Goldenen Schere, hat ja im Frühjahr einige unserer Bäume radikal gekappt. Sie sahen so erbärmlich aus. Aber siehe da: Sie tragen üppig. Er hatte Recht behalten, als er rhetorisch fragte, ob wir Holz oder Oliven ernten möchten…

An dieser Stelle noch ein Lektüre-Tipp, für alle, die sich ernsthaft für gutes Olivenöl interessieren: Ich lese gerade wieder einige Kapitel aus dem Buch „Extra Vergine – Die erhabene und skandalöse Welt des Olivenöls“ von Tom Mueller. Es ist wirklich erschreckend, wie sehr die Verbraucher immer noch getäuscht werden, weil die Kontrollen beim Olivenöl, anders als beim Wein nach den vielen Wein-Skandalen, nicht greifen. Glücklicherweise decken immer wieder Zeitschriften wie Öko-Test Etikettenschwindel auf. Im August-Heft etwa wurden 20 Olivenöle unter die Lupe genommen – und ausgerechnet das teure griechische Olivenöl von Alfons Schuhbeck bekam die Note „mangelhaft“, war nicht nativ extra, sondern nur nativ, war ranzig, flach, alt, also fehlerhaft. Und dies bei einem Preis von 16,95 Euro für den halben Liter!

Auf Seite 132 kommt auch unsere Region mal vor: Die Öle aus dem „erstklassigen Produktionsgebiet der Marken“ seien schon in der Renaissance von höchster Qualität gewesen. Ja, sagen wir, und sie sind es bis heute!

Buchcover von Tom Muellers spannenden Geschichte rund um die Olivenöl-Mauscheleien.
Buchcover von Tom Muellers spannenden Geschichten rund um die Olivenöl-Mauscheleien.